Rasseporträt: Die traditionelle Ragdoll – Sanftmut mit Geschichte
Ursprung und Geschichte
Die Geschichte der Ragdoll begann Anfang der 1960er-Jahre im kalifornischen Riverside. Als Begründerin der Rasse gilt die Katzenzüchterin Ann Baker. Im Mittelpunkt ihrer Zucht stand Josephine, eine weisse, halblanghaarige Hauskatze unbekannter Abstammung.
Josephine brachte mehrere Würfe hervor, deren Nachkommen durch ihr sanftes, menschenbezogenes Wesen und ihre auffallend entspannte Art auf sich aufmerksam machten. Zu den frühen Katzen, auf denen die Ragdollzucht aufgebaut wurde, gehörten unter anderem Daddy Warbucks, Buckwheat und Fugianna. Sie bildeten die Grundlage für die weitere Entwicklung der Rasse.
Der Name „Ragdoll“ bedeutet auf Deutsch „Stoffpuppe“. Er bezieht sich auf die Beobachtung, dass sich manche Ragdolls beim Hochheben besonders entspannt im Arm tragen lassen. Daraus entstand später der Mythos, Ragdolls hätten ein vermindertes Schmerzempfinden. Das ist jedoch falsch: Ragdolls empfinden Schmerzen genauso wie andere Katzen.
Ann Baker liess den Namen Ragdoll schützen und versuchte, die Zucht über ein Lizenz- und Franchisesystem zu kontrollieren. Einige Züchter wollten die Rasse jedoch unabhängig weiterentwickeln und nach klaren züchterischen Richtlinien etablieren.
Eine besonders wichtige Rolle spielten dabei Laura und Denny Dayton mit ihrem Zwinger „Blossom-Time“. Sie setzten sich massgeblich für die Anerkennung und kontrollierte Weiterentwicklung der Ragdoll ein. Ebenfalls zu den frühen und bedeutenden Züchtern gehörten Georgann und Dave Chambers mit ihrem Zwinger „Ragnarok“.
In Europa engagierte sich insbesondere Karin Hughes-Dentler stark für die traditionelle Ragdoll. Als Gründerin der IG-Ragdoll trug sie wesentlich dazu bei, die ursprünglichen Linien zu erhalten und die Rasse in Europa bekannt zu machen.
Seit 1991 ist die Ragdoll von der FIFe vollständig anerkannt.
Die Genetikkarte und die traditionelle Ragdoll
Denny Dayton dokumentierte die Abstammung der frühen Ragdolls über viele Jahre hinweg in einer umfangreichen Genetikkarte. Diese Aufzeichnungen zeigen die Entwicklung der ursprünglichen Linien und führen bis zur Stammmutter Josephine zurück.
Für mich bedeutet eine traditionelle Ragdoll, dass sich sämtliche Vorfahren anhand dieser Genetikkarte lückenlos bis zu Josephine zurückverfolgen lassen. Dazu gehören auch frühe Linien wie Purple Heather und Blue Mountain, die in Denny Daytons Genetikkarte dokumentiert sind.
Innerhalb der FIFe lautet die offizielle Rassebezeichnung RAG. Die Bezeichnung „traditionelle Ragdoll“ beschreibt darüber hinaus die Abstammung sowie die züchterische Ausrichtung auf die ursprünglichen Linien, Farben und Zeichnungen der Rasse.
Das Erscheinungsbild nach FIFe-Standard
Die Ragdoll ist eine grosse, kräftige und muskulöse Katze mit einem langen Körper und einem stabilen Knochenbau. Der Brustkorb ist breit und gut entwickelt. Die Hinterhand wirkt kräftig und liegt etwas höher als die Schultern.
Der Kopf bildet einen breiten, leicht abgerundeten Keil. Die Stirn ist sanft gerundet und geht zwischen den Ohren in eine flache Partie über. Die Wangen sind gut entwickelt, die Schnauze ist breit und abgerundet. Ein kräftiges Kinn rundet den harmonischen Gesamteindruck ab.
Die Ohren sind mittelgross, an der Basis breit und an den Spitzen abgerundet. Sie stehen weit auseinander und sind leicht nach vorne geneigt.
Besonders charakteristisch sind die grossen, ovalen und intensiv blauen Augen. Je kräftiger und klarer das Blau, desto ausdrucksvoller wirkt die Katze.
Die Beine sind mittellang, wobei die Hinterbeine etwas länger sind als die Vorderbeine. Die Pfoten sind gross, rund und kompakt. Haarbüschel zwischen den Zehen sind erwünscht.
Der Schwanz ist lang, buschig und gut behaart. Er sollte harmonisch zum Körper passen.
Das Fell der Ragdoll ist mittellang, dicht, weich und seidig. Es liegt am Körper an und fühlt sich angenehm kühl und glatt an. Rund um den Hals ist das Fell meist länger und bildet einen schönen Kragen.
Ragdolls entwickeln sich langsam und erreichen ihre vollständige körperliche Reife erst nach mehreren Jahren. Kater sind in der Regel deutlich grösser und kräftiger als weibliche Tiere.
Die vier traditionellen Farben
Die traditionelle Ragdoll kommt in vier Farben vor:
- Seal: ein kräftiges, warmes Dunkelbraun
- Blue: ein kühles Blaugrau
- Chocolate: ein helleres, warmes Schokoladenbraun
- Lilac: ein sehr heller, zarter Grauton mit rosigem Schimmer
Ragdollkitten werden beinahe weiss geboren. Die Farbe entwickelt sich erst nach und nach und wird mit zunehmendem Alter intensiver. Da die Ragdoll zu den Pointkatzen gehört, zeigen sich die dunkleren Farbbereiche vor allem an Gesicht, Ohren, Beinen und Schwanz.
In unserer eigenen Zucht leben derzeit Ragdolls in Seal und Blue. Aktuell trägt keine unserer Zuchtkatzen das Chocolate-Gen. Daher können bei uns momentan keine Kitten in Chocolate oder Lilac fallen.
Die drei traditionellen Zeichnungen
Die traditionelle Ragdoll gibt es in drei Zeichnungen:
Colourpoint
Bei der Zeichnung Colourpoint sind Gesicht, Ohren, Beine und Schwanz deutlich dunkler als der übrige Körper. Die Points sollen möglichst gleichmässig gefärbt sein. Weisse Abzeichen sind bei dieser Zeichnung nicht erwünscht.
Mitted
Die Zeichnung Mitted ähnelt Colourpoint, besitzt jedoch weisse Pfoten. An den Vorderpfoten befinden sich weisse Handschuhe, während die Hinterbeine weisse Stiefel tragen. Das Kinn ist weiss und ein weisser Streifen verläuft über Brust und Bauch. Eine weisse Blesse auf der Nase kann vorhanden sein.
Bicolour
Bei der Zeichnung Bicolour ist das Gesicht durch ein umgekehrtes weisses „V“ gekennzeichnet. Brust, Bauch und Beine sind überwiegend weiss. Der Rücken darf farbige Bereiche aufweisen. Die Zeichnung sollte möglichst harmonisch und gleichmässig wirken.
Wesen und Haltung
Die Ragdoll ist für ihr sanftes, freundliches und menschenbezogenes Wesen bekannt. Viele Ragdolls suchen die Nähe ihrer Menschen und folgen ihnen gerne durch das Haus. Sie sind aufmerksam, neugierig und verspielt, wirken dabei aber meist ruhig und ausgeglichen.
Trotz ihrer entspannten Art ist die Ragdoll keine anspruchslose Katze. Sie benötigt Zuwendung, Beschäftigung, Spielmöglichkeiten und soziale Kontakte. Eine längere Einzelhaltung ist für die meisten Ragdolls nicht geeignet. Besonders wohl fühlen sie sich gemeinsam mit einer passenden Partnerkatze.
Aufgrund ihres vertrauensvollen Wesens eignet sich die Ragdoll vor allem für eine sichere Wohnungshaltung mit einem gut gesicherten Balkon, einem gesicherten Garten oder kontrolliertem Freigang. Ungesicherter Freigang ist mit erheblichen Gefahren verbunden und wird von verantwortungsvollen Züchtern in der Regel nicht empfohlen.
Die Ragdoll verbindet ein beeindruckendes Erscheinungsbild mit einem liebevollen Charakter. Wer ihr ausreichend Nähe, Fürsorge und Gesellschaft bietet, gewinnt eine treue und ausgesprochen liebenswerte Begleiterin.

